Körper / Ulrike Kadi

Ausgangspunkt meiner Arbeit bildete der Körper in seiner Unfasslichkeit als eine Matrix, auf der sich individuelle und gesellschaftliche Konflikte niederschlagen. In der klinischen Arbeit mit AnalysantInnen kristallisieren sich eine Vielzahl von fantastischen Bildungen heraus. Der theoretische und technische Umgang mit jenen Fantasien, die den Körper, sein Geschlecht und seine Sterblichkeit betreffen, kann auf einen schulenspezifisch gegliederten Kanon an psychoanalytischer Literatur zurückgreifen. Der französischen, zum Teil von Jacques Lacan sehr geprägten Debatte, steht die Behandlung der Fantasien in der britischen, von Melanie Klein beeinflussten Tradition gegenüber. Eine um den Namen des Vaters kreisende Lesart der Freudschen Psychoanalyse trifft in meinen Arbeiten auf ein, primär auf den Körper der Mutter ausgerichtetes Verständnis von Psychoanalyse. Seit Freud sind künstlerische Produktionen und die in ihnen enthaltenden Fantasien in unterschiedlicher Weise Thema für die Psychoanalyse. Der Blick auf den Körper im Film und in anderen pikturalen Medien diente der Erfassung von kollektiv wirksamen, vor allem zeitgenössischen Fantasien. Dabei war auch die methodische Frage zu berücksichtigen, wie solche Produktionen psychoanalytisch zugänglich gemacht und in die weitere Arbeit einbezogen werden können.

Ulrike Kadi
Dr. med., Dr. phil., Assistenzprofessorin an der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien. Psychoanalytikerin (WAP), Ärztin für Allgemeinmedizin und Fachärztin für Psychiatrie. Externe Lehrbeauftragte für Philosophie an den Universitäten Wien und Klagenfurt. Mitglied der Gruppe Phänomenologie und der neuen wiener gruppe / lacanschule. Forschungsschwerpunkte: Sprachphilosophie, strukturale Psychoanalyse und Theorien zum Körper. Weitere Informationen: kadi.philo.at